
Die nebenstehende Person / Organisation wurde vorgeschlagen für den Werte Award der Neues Leben Stiftung in der Kategorie 3:
| Vorgeschlagen wurde | |
| Name | Peter und Renate Wagner |
| Anschrift | Baumschulenweg 18 |
| Ort | 51105 Köln |
Durch die Flucht seiner Familie kam Peter Wagner 1945 nach Fürstenwalde/Spree. Mit 14 Jahren begann er als Hausdiener in einer Gastwirtschaft zu arbeiten. An folgende Worte seines damaligen Chefs erinnert er sich noch heute: „Wenn du Hunger hast, hier stehen dir vier Zapfhähne zur Verfügung!“ Vom Trinken wieder losgekommen ist er erst mit Hilfe eines Freundes und indem er einen Lebenssinn im christlichen Glauben gefunden hatte. 1950 entschied er sich für Jesus Christus und wurde gleichzeitig auch in seinen Dienst gerufen. Von dieser Zeit an gab es für ihn keinen Schluck Alkohol und keine Zigarette mehr. Seine erste schriftliche Enthaltsamkeitsverpflichtung des Blauen Kreuzes unterschrieb er im Januar 1951. Seitdem besuchte er regelmäßig die Blaukreuzstunde Berlin-Spandau. Dort wurde er im Nov. 1952 als Blaukreuzmitglied aufgenommen. (Renate Wagner wurde im Mai 1959 als Mitglied aufgenommen.) Sein weiterer Weg führte ihn zum Missionsseminar der Liebenzeller Mission
Peter Wagner ist seit Beendigung seiner Ausbildung in Bad Liebenzell sein ganzes Dienstleben beim Blauen Kreuz in Deutschland tätig gewesen. Nach fünfjähriger Ausbildung wurde er 1958 für die Blaukreuzarbeit als Sekretär eingesegnet.
Um die praktische Blaukreuzarbeit kennen zulernen, kam er zuerst in die Vereine Hagen–Haspe und Hagen. Hier bestanden seine Aufgaben vor allem darin, Hausbesuche zu machen und Kinderstunden, Jugendstunden, Bibelstunden, Männerabende und Blaukreuzabende zu gestalten. In dieser Zeit wurden er und seine Frau Renate in Hagen - Haspe standesamtlich getraut. Die Trauzeugen waren zwei altbewährte Blaukreuzsekretäre. Am 3. Mai war die kirchliche Trauung in Berlin-Spandau. Inzwischen wurde Peter Wagner nämlich nach Westberlin entsandt.
Im Westberliner Kreisverband des Blauen Kreuzes gab es 12 kleine Blaukreuzvereine, die wöchentlich zusammen kamen, meistens zu Gast in Kirchengemeinden. Als erster Hauptamtlicher übernahm Peter Wagner sehr schnell die Leitung des Kreisverbandes und war dafür zuständig, dass die Blaukreuz-Veranstaltungen von Ehrenamtlichen und von ihm gehalten wurden. Vor- und nachmittags bestand seine Aufgabe in Hausbesuchen und Besuchen in drei großen Obdachlosenasylen. Sehr bald begann er auch mit dem ersten Männerabend während monatliche Frauenstunden und Kinderstunden die Aufgaben von Renate Wagner waren. Wenn Peter Wagner unterwegs war, war seine Frau für die Telefonanrufe verantwortlich. Und so manches Mal stand ein alkoholisierter Mann vor der Wohnungstür im 3. Stock des Mietshauses und bat sie um Essen und Geld. Über viele Monate war an jeder Litfasssäule das Blaue Kreuz Berlin mit ihrer Anschrift und Telefonnummer zu sehen. Oft wurde Peter Wagner auch zu Info-Veranstaltungen in Kirchen und Gemeinden eingeladen. Das wichtigste bei der Arbeit des Blauen Kreuzes sei, „die Suchtkranken als Menschen anzunehmen“, erklärt Peter Wagner. „Wir müssen sie da abholen, wo sie sind.“ Oft hat er sich selbst ins Gespräch eingebracht, denn auch seine Vergangenheit hat ihm vieles gelehrt.
Als die fachliche Seite der Blaukreuzarbeit immer mehr zum Tragen kam, hat das Ehepaar Wagner 1972 in Berlin-Tempelhof mit dem ersten Gruppenabend für Alkoholiker und Angehörige begonnen, welcher eine sehr gute Resonanz fand.
Auf die Anfrage bei der Blaukreuzleitung in Wuppertal, ob sie vorhätten, die Wagners zu versetzen, weil die 2 ½ Zimmerwohnung für fünf Personen zu klein war, kam sofort die Antwort: „Köln am Rhein“. So ist die inzwischen 5-köpfige Familie im August 1974 nach Köln übergesiedelt, wo sie heute noch leben.
In Köln gab es eine Erstkontaktgruppe für Alkoholabhängige, den Blaukreuzabend für Glaubens - und Lebensfragen, in Nippes eine Blaukreuzstunde und einmal im Monat samstags einen recht großen Hauskreis in Frechen. Ein Raum der privaten Wohnung war die Kölner Blaukreuz-Beratungsstelle und das Dienstzimmer von Peter Wagner. Neben der Kölner Arbeit war er auch für Bonn und den Niederrhein zuständig und jeden 4. Sonntag hatte er die Blaukreuzstunden in Krefeld und Moers zu halten. Hinzu kamen Sprechstunden für Alkoholiker und Angehörige im Diakonischen Werk Moers und der Kirchengemeinde Krefeld. Sehr schnell kam es in den einzelnen Orten zur Bildung von Blaukreuzgruppen.
Die länger abstinent lebenden wurden in Seminaren zu freiwilligen Suchtkrankenhelfern und Gruppenleitern ausgebildet und übernahmen die verantwortliche Gruppenleitung. Da die Arbeit für Peter Wagner allein nicht mehr zu schaffen war, wurde eine zweite hauptamtliche Fachkraft angestellt und die Beratungsstelle in offiziellen Räumen in der Stadt, Spichernstr.8 eingerichtet. Nach 20 Jahren Blaukreuzarbeit in der „Gehstruktur“, d. h. vor allem Hausbesuche machen, kam es jetzt mit der offiziellen Einrichtung zur „Kommstruktur“, d. h. Gesprächstermine wurden am Telefon vereinbart und die Hilfesuchenden und Angehörigen kamen in die Beratungsstelle zu Gesprächen.
In den 80-er Jahren gab es wöchentlich eine Kinderstunde und eine Gruppe für junge Erwachsene. Über viele Jahre gab es einen Blaukreuzchor. Die Jahresfeste im Herbst waren meistens von ca. 250 Teilnehmern besucht. 4 Tage über Karneval sind wir immer in unser Familien-Ferienheim des Blauen Kreuzes nach Holzhausen gefahren mit teilweise über 100 Teilnehmern.
Mit der Fachklinik in Radevormwald hatte Peter Wagner einen engen Kontakt. Monatlich brachte er 1 - 2 Männer aus Köln zu den 6 monatlichen Therapien dorthin. 1993 bekamen sie von der BfA und LVA als erste Beratungsstelle die Genehmigung für ambulante Therapie. Zurzeit besuchen 36 Teilnehmer die folgenden Therapiegruppen: Fortsetzung der stationären Therapie, Rückfallbehandlung und Therapie nach kurzfristiger Abstinenz.
Von 1958 bis Anfang 1993 war Peter Wagner hauptberuflich für das Blaue Kreuz tätig. Aufgrund seiner Schwerbehinderung hörte er mit 60 Jahren auf. Dadurch war es möglich, den gewünschten Nachfolger als Leiter der Beratungsstelle des Blauen Kreuzes Köln zu berufen. Er hat weiter im Vereinsvorstand, dem Landesverband Rheinland und als Kassierer im Vorstand der Kölner Arbeitsgemeinschaft (alle Abstinenzverbände) verantwortlich mitgearbeitet ebenso in der Gruppenarbeit in Wesseling. Bis heute haben er und seine Frau Mitverantwortung für die Gruppe für Glaubens- und Lebensfragen im Kölner Verein.
Renate Wagner hat von Anfang an den ganzen Schriftverkehr erledigt. Von 1977 bis 2002 ist sie im Vereinsbüro tätig gewesen und hat über 18 Jahre im Kölner Vorstand mitgearbeitet. Sie hat als eine der ersten die Gruppenleiterausbildung des Blauen Kreuzes mitgemacht und ist bis heute noch gern als Gruppenleiterin dabei. Ohne die Unterstützung von Renate wäre die Arbeit von Peter Wagner in diesem Umfang niemals möglich gewesen.
| Vorgeschlagen durch | |
| Name | Heidemarie Harwig |
| Anschrift | Guilleaume Str. 2 |
| Ort | 51065 Köln |